* Mea culpa – Bedeutungswandel

Serie „Exerzitien“ (4) – siehe Themensuche

Bingen, 18. Juli 2016. In der ersten Woche der Exerzitien soll nach Ignatius „die Erwägung und Betrachtung der Sünden“ im Mittelpunkt stehen. Mein Problem: Der Begriff der „Sünde“ ist für mich vergiftet.

Ich bin aufgewachsen mit der Tradition, die Sünde moralisch versteht. Mea culpa, mea maxima culpa – meine Schuld, meine Schuld, meine übergroße Schuld. Sünde, das sind bestimmte Taten. Sie haben ihren Ursprung in unserer Auflehnung gegen Gott und führen zum Tod – im schlimmsten Fall zum ewigen Tod, in die Hölle. Und Sünde, so kann man getrost zusammenfassen, das ist im Prinzip alles, was Spaß macht. Weiterlesen

Mönch auf Zeit

Serie Exerzitien (3) – siehe Themensuche

Bingen, 17. Juli 2016. Fühlt es sich so an, ein Mönch zu sein? Ich sitze in meiner Zelle und schaue auf die Weinberge Richtung Büdesheim. Ich bin allein mit mir, und es fühlt sich gut an. Ich muss nicht reden, ich darf nicht reden. Ich habe so gut wie keine Verpflichtungen. Meine Aufgabe ist es, dass ich mich ganz auf mich selbst konzentriere. Ich darf nicht nur, ich muss egoistisch sein. Ich muss mich um niemanden kümmern. Weiterlesen

Die Ignatianischen Exerzitien

2. Teil der Reihe über die Exerzitien
Den 1. Teil findest du hier.

Allein das Wort „Exerzitien“ klingt für unsere Ohren, die protestantischen zumal, ungewohnt und militärisch. Das ist kein Zufall. „Exercitium“ heißt Übung, und der sie entwickelt hat, war ursprünglich Soldat gewesen.

Ignatius von Loyola war ein Zeitgenosse Martin Luthers. In einer Schlacht wurde er schwer verletzt und las, weil nichts anderes da war, in seinem Krankenbett Heiligenlegenden. Und er war begeistert. So wollte er auch sein: Nicht mehr einem weltlichen König untertan sein und Menschen töten, sondern dem ewigen König folgen und Menschen helfen. Er hatte seine Berufung gefunden. Er wollte den Willen Gottes tun. Weiterlesen

* Hineni

Das Wort ist hebräisch und heißt übersetzt „Hier bin ich“. In der Bibel sagen es Menschen, die von Gott oder von Menschen angerufen werden: „Wo bist du?“ Mose wurde zum Beispiel aus dem Dornbusch gerufen und Abraham von seinem Sohn, Josef von seinem Vater und Samuel im Traum.

„Hineni“ ist aber viel mehr als das Signal, dass man den Ruf gehört hat. Es ist mehr noch eine Haltung, eine Lebenshaltung und meint: „Hier bin ich, mit allen meinen Sinnen. Ich bin wach und bereit. Ich höre und bin bereit zu folgen.“ Wer „Hineni“ sagt, macht mit einem Wort den Schritt von der Unverbindlichkeit in die Verpflichtung und Verantwortung. Weiterlesen