Künstlicher Segen?

Ute war in Wittenberg und ist auf den Segens-Roboter getroffen. Und sie erzählte, dass diese persönliche Begegnung sie etwas mit ihm versöhnt hat.

Genau genommen war nicht der Roboter die Ursache, sondern die ehrenamtliche Mitarbeiterin, die sie dort sensibel und freundlich angesprochen hat. Sie erklärte Hintergrund und Möglichkeiten der Installation und deren Grenzen. Das Angebot, den Roboter in den Segen einzubeziehen, war völlig offen. Weiterlesen

Der Segen Gottes sei mit dir

Ute ist wieder zurück aus Wittenberg und hat jetzt eigene Eindrücke vom Segensroboter gewonnen, die wir demnächst hier reflektieren. Inzwischen hat mich BlessU 2 dazu angeregt, mir noch einmal bewusster zu machen, was der Segen für mich ist. 

Zunächst aber möchte ich sagen, was er nicht ist: Er ist keine magische Handlung. Durch den Segen passiert objektiv – nichts. Nichts, was man sehen oder messen kann oder plausibel erzählen oder gar beweisen. Weiterlesen

Gnade und Gott

auch 7. Teil der Reihe über die Exerzitien. Bingen, 22. Juli 2016
Die vorherigen Beiträge sind unter dem Thema „Exerzitien“ versammelt.

„Denn aus Gnade seid ihr gerettet“, so heißt es im biblischen Brief an die Epheser (Kapitel 2,8). Für Martin Luthers Theologie und Glaube steht die Gnade an zentraler Stelle. Er hatte Angst vor dem Richter-Gott, der ihn mit der ewigen Verdammnis bestrafen würde, wenn er nicht gut genug sei, nicht genug Bußübungen absolviert habe. Für Luther war es eine Befreiung zu entdecken: Gott verlangt von mir – gar nichts. Weiterlesen

Show me the place

oder: Hilft mir der Glaube? Teil 2

Nach der Diagnose vor anderthalb Wochen, als eine neue Metastase entdeckt wurde, habe ich wieder Leonard Cohen gehört. You want it darker. Das ganze Album. Ich kann gut in dieser melancholischen Stimmung mitschwimmen. Und am Ende dann mitsummen: I wish, there was a treaty between your love and mine. So möchte ich auch sterben, mit Sehnsucht und Einverständnis im Herzen, alt und lebenssatt.

Aber noch nicht! Weiterlesen

Sisyphos

Es war ein Tiefschlag, wieder einmal. So sehr hatten wir gehofft, dass wir diesmal eine gute Nachricht bekämen. ass wenigstens für ein paar Monate so etwas wie Normalität einkehren würde. Dass die Krankheit ein wenig mehr in den Hintergrund treten könnte. Stattdessen eine weitere Metastase, fast 2 cm groß, voraussichtlich nicht sinnvoll zu operieren. Das bedeutet Chemo oder Immuntherapie mit ungewissem Ausgang, und die Lebenserwartung ist wieder um ein gutes Stück geschrumpft. Weiterlesen

* Der unberechenbare Gott

Es ist wahr, mit Gott habe ich so meine Schwierigkeiten. Ja, er hat mir schon viel Gutes geschenkt. Das übersehe ich keineswegs. Aber es war auch viel Mist dabei. Ich finde ihn einfach zu unberechenbar.

Denn das Schlimme an meiner Situation ist nicht, dass ich wieder ins Krankenhaus muss. Die Schmerzen und die Schwäche sind eklig, aber sie sind auszuhalten. Das Schlimme ist die Ungewissheit: Wird es gut ausgehen? Anders gefragt: Werde ich leben? Weiterlesen

* Hineni

Das Wort ist hebräisch und heißt übersetzt „Hier bin ich“. In der Bibel sagen es Menschen, die von Gott oder von Menschen angerufen werden: „Wo bist du?“ Mose wurde zum Beispiel aus dem Dornbusch gerufen und Abraham von seinem Sohn, Josef von seinem Vater und Samuel im Traum.

„Hineni“ ist aber viel mehr als das Signal, dass man den Ruf gehört hat. Es ist mehr noch eine Haltung, eine Lebenshaltung und meint: „Hier bin ich, mit allen meinen Sinnen. Ich bin wach und bereit. Ich höre und bin bereit zu folgen.“ Wer „Hineni“ sagt, macht mit einem Wort den Schritt von der Unverbindlichkeit in die Verpflichtung und Verantwortung. Weiterlesen

Advent ist im November

Vor knapp zehn Jahren startete die EKD – die Evangelische Kirche in Deutschland – eine Aktion mit dem Namen „Advent ist im Dezember“. Abgesehen davon, dass ich sie für überflüssig halte, mir auf Schlag eine Handvoll Gründe gegen sie einfallen, ist sie auch noch sachlich falsch. Meistens jedenfalls beginnt der Advent im November. Und das ist gut so.

Denn die sprichwörtlich dunkle Jahreszeit wird inzwischen hell erleuchtet durch Weihnachtsbeleuchtung und Weihnachtsmärkte, Kerzen und Lichterketten. Die Zeit, die wirklich auf die Stimmung schlägt, ist die trübe Jahreszeit. Der November.

Im November feiern wir den Volkstrauertag, den Bußtag, den Totensonntag. Im November liegt das Laub in nassen Klumpen auf der Straße, und die Temperaturen bewegen sich im niedrig-einstelligen Bereich.

In diese Stimmung hinein beginnt der Advent. Die meisten Wohnzimmer und Fußgängerzonen sind längst illuminiert, jetzt wird es auch in der Kirche wieder hell – wie meistens etwas spät, aber theologisch korrekt. Und wir waren zum ersten Mal nach vielen Wochen wieder im Gottesdienst.

Und es war ein schöner Gottesdienst. An die wunderbare Kirchenmusik hat man sich in Niendorf ja fast schon gewöhnt. Pastor Hendrik Hoever betonte, dass Gott nicht als Mächtiger zu den Mächtigen, sondern auf einem Esel zu den normalen Menschen kommt, und wir sangen „Macht hoch die Tür“, am Anfang und am Ende: „Es kommt der Herr der Herrlichkeit … der Heil und Leben mit sich bringt … all unsre Not zum End er bringt … mein Heiland, groß von Tat … mein Tröster früh und spat…“

Und dann nach dem Gottesdienst so viele liebe Menschen treffen zu können, die uns – nach der erzwungenen Abwesenheit – so herzlich begrüßten, das hat wirklich gut getan.

Und doch blieb ein merkwürdiges Gefühl, im Nachhinein, und das lag nicht am Gottesdienst. Wie war das nochmal? „There is a crack in everything, that´s where the darkness gets in.” Hatte das nicht Leonard Cohen gesungen? Nein? Aber genau dieses Gefühl lässt mich seit einigen Monaten nicht mehr los.