Hineni. Eine Predigt

Predigt von Thomas Engel (Bordesholm) zu 2. Mose 33

thomas-engelLesung Exodus 33,17-23: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen.“

Mich beschäftigt zur Zeit sehr stark die schwere Krebserkrankung eines sehr guten Freundes. Wenn wir miteinander sprechen, geht es häufig um die Frage: „Was hat Gott sich damit gedacht, dass er mir diese Krankheit schickt.?“ Mein Freund formuliert es gerne auch noch provokativer: Was für ein fieses Spiel treibt dieser Herr da oben mit mir? Weiterlesen

* Bruno Latour: Jubilieren

Jubilieren - Latour, Bruno„Jubilieren – oder die Qualen religiöser Rede, dazu möchte er etwas sagen, aber es gelingt ihm nicht.“ So beginnt Bruno Latour sein Buch über eine Sprachform, die, wie er meint, früher einmal so viel Kraft entfaltet hat und heute nur noch fade geworden ist. Und er schämt sich. Er schämt sich, weil es ihm nicht gelingen will, das rechte Wort zu finden. Aber er schämt sich auch „dessen, was sonntags, wenn er zur Messe geht, von der Höhe der Kanzeln herab ertönt; aber er schämt sich auch des ungläubigen Hasses oder der belustigten Gleichgültigkeit derer, die über die spotten“. Weiterlesen

* Das Mose-Puzzle

Wie ich wurde, was ich bin II

Gleich meine erste Vorlesung im Studium beschäftigte sich mit der Genesis, dem 1. Buch Mose. Und der Professor nahm wenig Rücksicht auf die evangelikalen Studenten unter uns – zu denen ich ja auch gehörte. Erbarmungslos zeigte er die Widersprüche in den Geschichten von der Schöpfung bis zum Turmbau von Babel auf: Die Entstehung der Welt in sieben Tagen? Und dann gleich dahinter eine zweite Schöpfungsgeschichte? Wo kamen die Menschen her, mit denen Kain Städte gründete? Wie passten alle Tiere in die Arche? Und dann die kleine skurrile Geschichte in Genesis 6 von den Gottessöhnen, die sich Menschentöchter zu Frauen nehmen. Als er fertig war, war ich es auch.

Und dann fing er an, alles mit der historisch-kritischen Methode zusammenzusetzen. Und plötzlich machte es Sinn. Weiterlesen

Wo ist Gott?

auch 8. Teil der Reihe über die Exerzitien. Bingen, 23. Juli 2016 – siehe unter Themensuche

„Ich gebe dir das Ende einer goldenen Schnur in die Hand. Rolle sie zu einem Knäuel auf und geh ihr nach. Sie wird dich an das Tor zur Heiligen Stadt führen“, sagte der Maler und Mystiker William Blake (1757-1827). Vor Jahren bekam ich im Ansverus-Haus ganz Goldene Schnur Deteilreal eine solche goldene Schnur, als Symbol für mein Leben. Eigentlich aber waren es zwei ineinander verwobene Fäden. Weiterlesen

Gott nuschelt

Es gibt einen Menschen in meinem Bekanntenkreis, der davon überzeugt ist, dass an den Horoskopen doch etwas dran ist. Genauso überzeugt ist er von seiner Vernunft und davon, dass es Gott nicht gibt.

Christen dagegen halten generell eher nichts von Horoskopen. Aber sie haben etwas Ähnliches. Es nennt sich „Herrnhuter Losungen“. Weiterlesen

Positive Schwingungen

Wer mit einer gefährlichen Krankheit lebt, fragt sich natürlich: Was hilft, wenn die ärztliche Kunst an ihre Grenze gekommen ist? Was kann ich selbst dagegen tun? Und immer wieder begegnen mir drei Dinge: Bewegung, ausgewogene Ernährung und eine positive Einstellung. Für mich ist das ganz dicht dran an dem, was wir in der Kirche „glauben“ nennen. Glauben ist mehr als eine Einstellung, mehr als richtiges Denken, sondern „Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft“, wie es im 5. Buch Mose und bei Jesus heißt. 

Die Psychologin Dr. Jutta Seeland beschreibt diese Haltung in eigenen Bildern, wie in ihrer Mail auf den Beitrag „Gnade und Gott“. Weiterlesen

Lichtblick der Woche

Gott spricht: Ich will mit dir sein.
2. Mose 3,12

Während der Auseinandersetzungen mit dem Glauben im Studium fiel mir mein Konfirmationsspruch in die Hände. Er wurde zu meiner persönlichen Grundlage: Wenn Gott ist, ist er mit mir.
Jahrelang hing die Urkunde in meinem Dienstzimmer. Jetzt packte ich sie wieder aus.

Gnade und Gott

auch 7. Teil der Reihe über die Exerzitien. Bingen, 22. Juli 2016
Die vorherigen Beiträge sind unter dem Thema „Exerzitien“ versammelt.

„Denn aus Gnade seid ihr gerettet“, so heißt es im biblischen Brief an die Epheser (Kapitel 2,8). Für Martin Luthers Theologie und Glaube steht die Gnade an zentraler Stelle. Er hatte Angst vor dem Richter-Gott, der ihn mit der ewigen Verdammnis bestrafen würde, wenn er nicht gut genug sei, nicht genug Bußübungen absolviert habe. Für Luther war es eine Befreiung zu entdecken: Gott verlangt von mir – gar nichts. Weiterlesen

Hiob. Ein Mailwechsel

auch 6. Teil der Reihe über die Exerzitien. Bingen, 21. Juli 2016
Die vorherigen Beiträge sind unter dem Thema „Exerzitien“ versammelt.

Das Buch Hiob ist eines der tiefsten, interessantesten und vielschichtigsten Bücher im Alten Testament – kein Wunder, ist es doch selbst aus vielen Schichten entstanden. Es setzt sich mit der alten und immer wieder aktuellen Frage auseinander, warum guten Menschen Böses widerfährt.

Es beginnt mit einem seltsamen „Prolog im Himmel“. Weiterlesen